*André Wagner (1980 in Burgstädt) ist ein deutscher Fotokünstler, der mit Langzeitbelichtung, Infrarotfotografie und nächtlichem Licht die Grenzen unserer Wahrnehmung untersucht. Seine Arbeiten machen Phänomene sichtbar, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben, und fragen danach, wie sich Zeit, Erinnerung und Bewegung in ein fotografisches Bild einschreiben.


Zeit und Bewegung

Seine ersten visuellen Erfahrungen sammelte Wagner als Jugendlicher mit Graffiti im urbanen Raum. Von 1999 bis 2001 absolvierte er eine Fotografenausbildung. Seit 2002 arbeitet er als freischaffender Fotokünstler.

Bereits in seinen frühen Arbeiten beschäftigte er sich mit der Frage, wie Bewegung und Zeit in einem unbewegten Bild sichtbar werden können. Die Langzeitbelichtung entwickelte sich dabei zu einem zentralen Ausdrucksmittel.

Lichtspuren, Bewegungen und Veränderungen verdichten sich in seinen Fotografien zu Bildern, die über den einzelnen Augenblick hinausweisen. Fotografie hält die Zeit in seinen Arbeiten nicht einfach an. Sie zeigt, wie sich Zeit in einen Ort einschreibt.

Reisen und das unsichtbare Spektrum

Viele seiner Werkserien entstehen über Jahre hinweg auf Reisen. Eine besondere Bedeutung besitzt Indien, das Wagner seit Langem bereist und fotografisch erforscht.

Pilgerstätten, religiöse Feste und alltägliche Begegnungen erscheinen in seinen Bildern nicht als exotische Kulisse, sondern als Räume gelebter Erinnerung und spiritueller Erfahrung.

Seit 2021 arbeitet Wagner verstärkt mit einer eigens für das Infrarotspektrum umgebauten Kamera. Diese Technik erweitert die sichtbare Welt um Lichtbereiche, die das menschliche Auge nicht wahrnehmen kann.

Landschaften, Architektur und Vegetation erhalten dadurch eine ungewohnte Erscheinung. Sie bewegen sich zwischen dokumentarischer Wirklichkeit, Erinnerung und innerem Bild.

Kunst im Raum und im digitalen Zeitalter

Wagners Arbeiten wurden in Museen, Galerien und internationalen Ausstellungen präsentiert. Dazu gehören Ausstellungen im Kunstmuseum Moritzburg Halle und im Albertinum Dresden. Seine Werke befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen. Seit 2020 ist er Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie DGPh.

Neben streng limitierten fotografischen Editionen realisiert Wagner großformatige Kunst-am-Bau-Projekte. Dabei entwickelt er Werke im Dialog mit Architektur, Licht und räumlicher Bewegung.

Die Fotografie wird nicht lediglich in einen Raum eingefügt. Sie wird als Teil seiner Atmosphäre, Wahrnehmung und Identität verstanden.

Parallel beschäftigt sich Wagner mit digitalen Editionen, NFTs und Blockchain-basierten Zertifikaten. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Technologie selbst, sondern die Frage, wie Herkunft, Limitierung und Besitzgeschichte eines Kunstwerks nachvollziehbar dokumentiert werden können.

André Wagner lebt und arbeitet in Berlin und Potsdam. Seine künstlerische Arbeit verbindet Fotografie, Reise, Wahrnehmung und Technologie mit einer grundlegenden Frage:

Wie viel von der Wirklichkeit ist sichtbar – und was entzieht sich unserem unmittelbaren Blick?

Ausgewählte Stationen

Kunstmuseum Moritzburg Halle

Einzelausstellung „Reflections of India“, 2017

Albertinum Dresden

Ausstellungsbeteiligung, 2022

Deutsche Gesellschaft für Photographie

Mitglied seit 2020

Schwarz-weißer Porträt eines Mannes mit mittellangem Haar, Bart und einem ernsthaften Ausdruck, trägt einen dunklen Pullover und einen Mantel, vor dunklem Hintergrund.
André Wagner, Selbstporträt, 2025